Sonntagskolumne: Drücken auf großer Fläche

Im jährlichen Ritual der Mobiltelefonupdates kommt es zu unerwarteten Verzögerungen. Schon gefühlt ewig nutze ich ein iPhone, und freue mich jedes Jahr über mehr oder weniger sinnvolle Verbesserungen. Als großer Mensch mit großen Händen bin ich sofort auf das iPhone 6+ (a.k.a. “Das Brett”) umgestiegen. Große Fläche gleich viel zu sehen gleich besser zu schreiben. Und mit etwas Fingerakrobatik kann ich es mittlerweile mit einer Hand bedienen. Also läge nichts näher, als bei Vertragsende das neue, größere 6s+ zu nehmen.

Beim 6s/6s+ wird das Bedienkonzept “Tippen – Wischen” erweitert um die dritte Achse: Kraft. Wenn man auf irgend etwas kräftiger drückt, ploppt ein kleines Menü mit sinnvollen Kurzbefehlen auf. Beim Ausprobieren im Apple Store bin ich sofort sehr begeistert, allein: das geht nicht mit dem großen Telefon. Die Technik ist zwar da, aaaaber: ein kräftiger Druck auf ein Icon auf der linken Seite lässt meine jahrelang antrainierte und verfeinerte Motorik in sich zusammenstürzen: das Telefon fällt mir fast aus der Hand.

Und nun habe ich Angst: Mein Körpergedächtnis braucht Zeit, um sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Schaffe ich diese Zeit, ohne dass mir das Telefon mehrfach runterfällt? Zumal ich mir nicht sicher bin, dass man bestimmte Bereiche überhaupt noch mit einer Hand „3D-Touch“ bedienen kann. Ein wirkliches „Erste-Welt-Dilemma“: großes Telefon, bei dem man auf Innovationen mangels passender Körpergeometrie teilweise verzichtet oder das kleinere Modell mit kompletter Ausnutzung all der schicken neuen Features, aber eben, naja, kleiner? Mein Vertrag läuft noch ein paar Monate, Zeit für noch viele Besuche im Apple Store mit ausführlichen Tests. Ich werde berichten!

(Wolfgang Kunckel), veröffentlicht im techniktagebuch