Ein halbes Jahr mit der Apple Watch

Ein halbes Jahr mit der Apple Watch: Wer braucht sowas?

Uhr an HandgelenkVor etwas mehr als 6 Monaten gab es auf dieser Website schon einen ersten kurzen Erfahrungsbericht über die Apple Watch. Und jetzt,  nach diesen sechs Monaten konstanten Tragens ergibt sich ein deutlicheres Fazit.
Die Frage: „Wer braucht das?“ läßt sich immer noch recht einfach beantworten: „Eigentlich niemand“.
Aber über den Bedarf hinaus gibt es immer mehr gute Gründe, die Apple Watch zu nutzen.
Der erste Grund ist ein ganz einfacher: Das Telefon bleibt öfter in der Tasche. Bisher war es so, dass man bei eingehenden Benachrichtigungen das Telefon aus der Tasche genommen hat, nachgesehen, was es ist und entweder darauf reagiert oder es wieder eingesteckt hat.
Das hat sich zu einem Ritual entwickelt, bei dem man das Telefon auch ohne Benachrichtigung zur Kontrolle aus der Tasche genommen hat. Da war doch eine Vibration? Und damit ist jetzt weitgehend Schluss. Ein kurzer Blick aufs Handgelenk reicht aus, festzustellen, ob es Handlungsbedarf gibt.
Zweiter Grund, mit dem ersten eng verbunden: Der Verfasser ist jetzt im „Stealth-Mode“ unterwegs. Telefon und Uhr sind auf lautlos gestellt, beim Telefon ist selbst die Vibration abgestellt. Es reicht allein das leichte Klopfen auf dem Handgelenk aus, um deutlich zu machen: „Da ist etwas für Dich. Schau doch bei Gelegenheit mal nach“. Macht man dann auch bei passender Gelegenheit. Ist man im Auto unterwegs, reicht ein leichtes Drehen des Handgelenkes am Lenkrad aus. Ist es Wichtiges: anhalten und reagieren, ist es eher aus der Kategorie: „Mach ich nachher“ – Handgelenk wieder in Normalposition und gut.
Teilfazit: Die akustische Aufdringlichkeit ist DEUTLICH gesunken.
Dritter, wichtiger werdender Grund ist die wachsende Anzahl von Apps für die Uhr.
Die Benutzungsdauer der verschiedenen Geräte, also Computer-iPad-iPhone-Watch stellt sich von selbst ein: Rechner Stunden, iPad mehrere Minuten, iPhone wenige Minuten, Apple Watch wenige Sekunden. Und am besten sind Apps auf der Uhr dann, wenn Sie diesen „wenige Sekunden“ – Zeitausschnitt perfekt nutzen. Wer beispielsweise Medikamente einnehmen muss zu bestimmten Zeiten, legt die auf dem iPhone an (wenige Minuten) und kontrolliert und hakt die Einnahme in wenigen Sekunden auf der Apple Watch ab.
Sinnvoll werden auch immer mehr die als „Komplikationen“ bezeichneten, kleinen Anzeigeschnipsel im Zifferblatt. Wie kalt ist es draussen? Kurzer Blick reicht. Nächster Termin im Kalender? Bitteschön. Nächste fällige Aufgabe? Aber hallo.
Die zweitwichtigste Informationsquelle sind die von Apple „Glances“ genannten, von unten auf die Anzeige schiebbaren Informationsblätter. Wetteraussichten? Offene Aufgaben? Aktuelle Datenverbrauch im Mobilfunknetz? Alle schnell verfügbar.
Die nächste Informationsstufe sind dann die Apps auf der Uhr selbst. Kommt der ICE pünktlich? Aktuelle Sitzplatzreservierung im grad einfahrenden ICE?
Auch schnell und diskret nachzusehen, ohne Gepäck abstellen, Fahrschein oder Telefon aus der Tasche nehmen zu müssen.
Was immer mehr wird: Die Spracheingabe. Sieht etwas, naja, „Dick Tracy“ – mäßig aus, ist aber extrem hilfreich. Einmal natürlich wenn man eingehende Nachrichten beantworten will. Die Erkennungsrate von Siri ist über die Jahre so gut geworden (und so lernfähig), dass man immer öfter auch komplexere Ansagen fehlerfrei hinbekommt.
Mit der Spracheingabe einher geht das Diktiergerät am Handgelenk. Man kann per Siri mit den Schlüsselworten: „Erinnere mich an…“ Gedankenblitze, ToDos, Aufgaben nach einem etwas längeren Druck auf die Krone schnell loswerden. Von der Uhr wandert dieser Gedankenfetzen dann über das Telefon in das Aufgabenprogamm und wartet dort dann am Rechner auf Weiterbearbeitung. Eine enorme Erleichterung: Was einem einfällt und was man nicht vergessen will – einfach der Uhr sagen. Mein persönliches „Killer-Feature“ der Apple Watch.
Ein erstes (sicherlich persönlich gefärbtes Fazit): Unsere Art, mit Computern umzugehen, ist seit geraumer Zeit schon im Umbruch. Heutzutage steckt in den meisten Hosen- und Handtaschen mehr Rechenleistung als noch vor wenigen Jahren auf den Schreibtischen stand. Der Schwerpunkt unserer Aktionen mit Geräten wird sich verschieben, immer mehr weg von Rechnern, immer mehr hin zu Telefonen, und von dort aus unaufhaltsam auf dieses sogenannten „Wearables“, Computer, die wir ständig mit uns tragen oder anziehen. Ich bin gespannt, wie Apple dieses neue Produkt weiterentwickeln wird.