iPhone Kamera mit variabler Blende

Die Gerüchteküche war sich sicher: Die neuen Pro-iPhone würden eine variable Blende haben. Sofort tauchte die Frage auf: Was soll das auf so einem kleinen Sensor? Samsung hatte das auch mal und hat das Feature dann still und heimlich wieder begraben.

Apple hat bei allen Entwicklungen Langmut bewiesen, selbst, wenn ein Feature zuerst nicht gezündet hat, wurde es stetig weiterentwickelt. So war es bei der Touchbar, die erst nach langer Zeit verschwand und so ist es aktuell bei der Vision Pro, die fleißig Softwareupdates bekommt, deren Nutzung aber eher in speziellen Bereichen liegt, im ärztlichen/chirurgischen Bereich zum Beispiel.

Und mit der variablen Blende hat Apple nicht nur ein neues Feature eingeführt, es gab darum herum ein ganzes Paket an Verbesserungen, die dieses Upgrade zu einem recht großen Sprung in der iPhone-Fotografie machen.

Sollte man upgraden? Aus photografischer Sicht: Unbedingt. Warum? Schauen wir mal.

Der Aufhänger der aktuellen Präsentation war natürlich die variable, mechanische Blende, aber was heißt das für den Gelegenheitsfotografen? 

Wofür braucht man eine variable Blende? 

Die Blende in einem Fotoapparat regelt die Menge des einfallenden Lichts auf dem Sensor. Die wohl fundamentalste Regel in der Fotografie ist das sogenannte „Belichtungsdreieck“. Eine korrekte Belichtung setzt sich zusammen aus den drei Faktoren Belichtungszeit, Blende und ISO-Empfindlichkeit. Eine Änderung eines dieser drei Faktoren ändert die Belichtung und jeder dieser drei Faktoren hat bestimmte gestalterische Möglichkeiten. Die Belichtungszeit regelt die Schärfe der Bewegung, ISO-Empfindlichkeit hat Einfluß auf das Rauschverhalten und die Blende steuert die Schärfentiefe.

Nach den ersten Reviews (hier und hier) kann man festhalten: Mit der variablen Blende und der damit einhergehenden variablen Schärfentiefe hat Apple einen Treffer gelandet, dazu gleich mehr. 

Es werde (mehr) Licht – und mehr Schärfe…

Ein anderes Feature, was durch die variable Blende ermöglicht wird, ging etwas unter: Auf dem iPhone 17Pro hatte die Hauptkamera eine fixe Blende von f/1,78, auf dem iPhone 18Pro ist die größtmögliche Öffnung f/1,48. Klingt nach wenig, ist aber wegen der optischen Gesetze grob 50% mehr Licht. Eine Erweiterung der Blende von f/1,8 auf f/1,4 wäre doppelt so viel Licht, Apple gibt 50% an. Mehr Licht/größere Blende heißt: Bessere Nachtaufnahmen. Größere Blende heißt aber auch: Die Schärfe des Bildes nimmt zu den Rändern hin deutlich ab.

Apple hätte jetzt also die Blende größer machen können und es gut sein lassen, dann aber in Kauf genommen, dass die Bildqualität gesamt etwas schlechter geworden wäre. Das vermeiden sie durch die variable Blende: Bei Nachtaufnahmen mehr Licht, da ist die Schärfe zu den Rändern zu verschmerzen, bei Tagesaufnahmen blendet das iPhone ab auf f/1,8 oder höher, damit steigt die Schärfe über das gesamte Bild an. Schön zu sehen im Testbericht hier, und Jaron Schneider von Petapixel stellt die Blendenskala in der Abstufung nach maximaler Schärfe so auf:

Am schärfsten ist die Kamera bei Blende f/2.8, f/1.8 und f/4 folgen und f/1.48 ist die größte Öffnung und damit am unschärfsten. Der Effekt, warum die Kamera bei f/4 nicht am schärfsten ist liegt an einem weiteren optischen Gesetz, der Beugung des Lichts an Kanten. Das taucht auch bei normalen Kameras auf, durch den größeren Sensor aber erst so in Richtung f/11. 

Von vorn bis hinten scharf (oder eben nicht)

Damit kommen wir zum wichtigen Effekt: die steuerbare Schärfentiefe. Obwohl der Blendenbereich nur von f/1.48 zu f/4 geht ist die Wirkung durch den kleinen Sensor erheblich. Eine Aufnahme eines Gegenstandes im Vordergrund erzeugt eine wunderbare Unschärfe im Hintergrund, ohne die unvermeidlichen Artefakte wie in der gekünstelten Unschärfe im Portraitmodus.

Stellt man den Focus auf manuell kann man wunderbar „die Schärfe fahren“, also die Schärfe von vorn nach hinten verlagern. Dabei hilft einem das „Focus Peeking“, ein weißer Rahmen um die Objekte, die grad im Focus sind. Und wieder typisch Apple: Die Steuerung der Blende kann man gern der Kamera überlassen, die Ergebnisse sind ausgezeichnet. Nur, wenn man etwas spielen will, also z.B. Bewegungsunschärfe erzeugen, stellt man die Blende auf f/4, hält das iPhone still und schon hat man wunderbare Bewegungsunschärfen. Die ausgezeichnet Bildstabilisierung hilft hier enorm. 

Ein ebenfalls neues und sehr beeindruckendes Feature ist „Focus Tracking“. Man tippt in der Kamera-App doppelt auf das Objekt des Interesses, und das iPhone folgt mit dem Fokus diesem Objekt, und das klappt überraschen gut. Schön dann zu sehen, wie bei Annäherung an das Objekt der Hintergrund unschärfer wird. 

Endlich…

Wenn man manuell fokussiert hat, dann kann man immer noch auf einen anderen Punkt im Sucher tippen, und von diesem Punkt nimmt sich das iPhone dann die Belichtung! Jahrelang gewünscht, jetzt ist es da: Focus und Belichtung getrennt einstellen. 

Stile

Und dann sind da ja noch die photografischen Stile, neu hinzugekommen sind Film und Grain. Die kann man wunderbar anpassen und man erhält zum Beispiel einen klassischen Bildlook. Oder man dreht es so, dass der Look ist wir früher bei den Kodachrome Filmen. Nachteil, wenn man es denn so nennen will: Als Dateiformat muss man HEIF eingestellt lassen. Das funktioniert nicht mit RAW. Wobei HEIF mittlerweile auch einiges an Bearbeitungsspielraum hat. Der zugewiesene Stil läßt sich im Nachhinein auch noch ändern oder entfernen. Aber das Format kann man ja jetzt schnell umstellen, Dank der neuen 

Pro-Kontrollen

Kamerakontrollen. Das gesamte Interface der Kamera-App ist überarbeitet, man hat jetzt alle Einstellungen über einen Menüpunkt zur Hand, und zusätzlich kann man sich die meistbenutzten Element direkt in die Menüleiste oben legen. Dazu einfach die Menüleiste gedrückt halten.

Alle diese Änderungen machen für mich einen großen Sprung in der Qualität und Bedienbarkeit der Kamera aus. Das fühlt sich für jemanden, der jahrelang verschiedenste Kameras gehandhabt hat, natürlich an und die Ergebnisse sind so gut…

Projekt Indigo

Aufmerksame Leser unsere Posts werden sich erinnern: Ich hatte vor einiger Zeit mal das neue Kameraprojekt von Adobe empfohlen, „Projekt Indigo“. Die gute Nachricht: Die aktuelle Version arbeitet mit dem iPhone 18Pro zusammen, allerdings gibt es noch keine explizite Unterstützung für die Wahl der Blende

Ein Loblied auf die Benq ScreenBar® Halo 2

Da muss ich doch mal das Loblied auf ein Zubehörteil singen, was bisher unter meinem Radar geflogen ist. Für die Auswahl des Monitores hat man lange gebraucht, technische Daten verglichen, Testberichte gelesen und dann zugegriffen. Steht hier vor mir auf dem Schreibtisch, sieht super aus. 32″, 4k, farbecht. Es ist jetzt früher Abend, es dämmert etwas, und die Nervereien fangen an.

Die Schreibtischlampe: Super Lampe. Designstück, Helligkeit einstellbar, Farbtemperatur einstellbar, sieht gut aus und ist irgendwie immer im Weg. Wirft Schatten, und beim Nachjustieren schmeißt man dann gern das Weinglas um.
Damit habe ich mich lange arrangiert, etwas nervig war es unterschwellig schon.

Und dann sitze ich bei einer Kundin vor dem Monitor, und seitdem ist meine Monitorarbeitsplatzwelt nicht mehr so, wie sie war. Die Kundin hat oben auf dem Monitor einen Lichtbalken sitzen, der schattenfreies Licht auf den Bereich vor dem Monitor wirft, ohne auf dem Monitor zu blenden. Gleichzeitig wird die Wand hinter dem Monitor auch angestrahlt, senkt den starken „Hell-/Dunkel“- Kontrast auf angenehme Werte. Das Licht geht automatisch an, wenn man vor dem Monitor sitzt, geht man weg, ist es fünf Minuten später aus.

Die Helligkeit wird auch automatisch geregelt, man kann aber auch auf Wunsch Farbtemperatur und Helligkeit manuell einstellen über ein kleines, schickes Bedienteil, welches drahtlos mit der Lampe verbunden ist. Auf dem Bedienteil werden die Farbtemperaturen angezeigt, man kann also ziemlich zielgenau 6500 Kelvin für Tageslicht einstellen. Und man kann einstellen, ob nur Frontlicht, nur Raumlicht oder beides aktiv ist.

Kleiner Hinweis: Nutzt man die automatische Einstellung, ist die Farbtemperatur auf angenehme 4000 Kelvin festgenagelt.

Das Ganze nennt sich ScreenBar ® Halo 2, ist von BenQ, kostet 179€ und ist jeden Cent des Preises wert. Und nein, ich werde nicht von BenQ gesponsort – echte, eigene, unbezahlte Begeisterung meinerseits.
Vielleicht ändere ich jetzt mein LinkedIn Profil, sowas wie „Productivity Enhancer 4.0“ und mache damit schnittig Geld.

Die iPhone Kamera ist grade sprunghaft besser geworden

Die Diskussion ist ja nicht ganz neu, wird aber mit jeden neuen iPhone und jeder neuen Systemversion neu befeuert: braucht man noch eine „richtige“ Kamera oder reicht die, die man sowieso immer dabei hat? Aktueller Fall für das Neudenken dieser Frage ist die Vorstellung einer neuen Kamera-App, „Projekt Indigo“ von Adobe. Eigentlich ist es eine Kamera für Lightroom, obwohl die Lightroom-App ja auch schon eine Kamera hat, aber, ehrlich gesagt – nicht die angenehmste. Allein diese umständliche Art, die Brennweite auszuwählen nervt jedes Mal. Direkte Brennweitenanwahl – Fehlanzeige. Statt dessen muss man, um von einer Brennweite zur anderen zu kommen, z.B. von Tele auf normal, sich durch alle anderen Brennweiten quälen. Und die errechneten Auflösungen wie die 2x Einstellung gibt es schon mal gar nicht. Und wo wir grad dabei sind: Seit diversen Updates von Lightroom auf dem iPhone warte ich auf die Möglichkeit, die Lightroom-Kamera mit der Kamerataste direkt zu öffnen. Jetzt ahne ich, warum Adobe das nicht eingebaut hat. All diese Dinge löst Projekt Indigo, kurz PI. Dazu habe ich mal einen Artkiel geschrieben

24MPixel aus den neuen iPhones

So langsam kommen die Details zu den Kameras in den neuen iPhones ans Licht, Dank geht mal wieder an die üblichen Verdächtigen: Daring Fireball, DPReview und Heise.

Zur Erinnerung:

Im iPhone 14Pro gab es einen neuen Sensor, den der sogenannten Hauptkamera, mit einer 48 Megapixel Auflösung. Das iPhone hat diese 48 Megapixel immer auf ein 12 Megapixel Bild heruntergerechnet. Dazu wurden jeweils 4 Pixel zu einem größeren, rauschärmeren gebündelt.

Einige Kamera Apps (Halide, z.B.) erlaubten das Fotografieren mit voller Auflösung. Die Bilder waren schon arg rauschanfällig.

In den iPhone 15Pro sind die Kameras mit wieder etwas größeren Sensoren ausgestattet, der Sensor der Hauptkamera nimmt aber weiterhin mit 48MPix auf. Der Trick ist jetzt, dass das iPhone immer ZWEI Aufnahmen macht, eine mit 48MPix und eine mit 12MPix. Die 48er-Keule holt die Details aus den Bildern heraus, die 12MPix-Aufnahme sorgt durch die größeren Pixel für deutlich rauschärmere Bilder.

Der Trick ist, diese beiden Bilder intelligent zu kombinieren. Es entsteht dann ein Bild mit 24 MPix Auflösung und geringerem Rauschen.

Diese Rechnerei ist kein einfaches Runterskalieren, es kombiniert das beste aus beiden Welten – Auflösung und Rauscharmut.

Kleiner Nebeneffekt: In der Kamera-App kann jetzt durch mehrfaches Antippen der „1x“ – Markierung bei der Brennweitenauswahl eine der klassischen Brennweiten gewählt werden: 24mm, 28mm und 35mm. Die Berechnung der Bilder erfolgt dann wie oben geschildert und sollte eine deutlich gute Bildqualität haben.

Die Ultraweitwinkelkamera (0,5x) und die Telekamera (3x/5x) bleiben bei 12MPix.

Sobald unser Testgerät hier eintrudelt (aktuelle Lieferzeiten bei Bestellung jetzt November!) werden wir die per Internet-Gesetz geforderten Katzenbilder natürlich nachliefern.

Lightroom und der Platz in der Cloud

Wir hatten in den letzten Tagen mehrere Nachfragen zu Lightroom und der Adobe Cloud. Ein Problem war, dass der Export von Bildern unterschiedliche Größen der exportierten Datei bringt, je nachdem, von wo sie exportiert werden. Ein Fallstrick dabei ist es, wenn die Bilder per Lightroom Classic in die Cloud kommen:

Das sind IMMER Smart Previews, keine Originale

Erklärung dazu: Lightroom Classic erzeugt zur Synchronisation in die Cloud ein „Smart Preview“, welches wesentlich kleiner ist als das Original. Mit diesem Preview kann man fast alles machen, was Bearbeitung und Export angeht, aber eben nur fast. Drucken geht nicht, und Export über eine bestimmte Größe geht auch nicht. Das erklärt die unterschiedliche Größe der exportierten Dateien: Aus Lightroom Classic mit Zugriff auf das Original: groß, auf dem iPad mit Zugriff nur auf das Smart Preview: kleiner.

Der Vorteil der Smart Previews: Die werden bei der Berechenung des verfügbaren Speicherplatzes in der Cloud nicht berücksichtigt!

Wir haben dazu einen Artikel, der das noch genauer erklärt und auch zeigt, wie man Platz in der Adobe Cloud schafft.

DPReview.com to close: Digital Photography Review

DPReview.com to close: Digital Photography Review:

Das ist ja mal eine unangenehme Überraschung. Seit vielen Jahren ein immer wieder gern gelesener Begleiter in der Welt der digitalen Photografie schließt. Gründe nennen Sie nicht explizit, die liegen aber leider auf der Hand: Die Seite wurde mal irgendwann an Amazon verkauft, und Herr Bezos möchte sich gern einen Wettlauf mit Herrn Musk liefern, wer als erster auf dem Mars aufschlägt. Und dafür muss man wohl Opfer bringen…

Was wirklich schade ist, die Foren auf dpreview.com waren und sind exzellente Quellen für Wissen und Erfahrungsaustausch. Es wäre wirklich schade, wenn dieses Wissen verschwindet.

Na denn, so long, dpreview. Du warst lange Jahre Stütze und Unterstützung!