Ein perfekter mobiler Workflow mit Lightroom Mobile

Lightroom LogoVon Version zu Version wird Lightroom Mobile besser, enthält mehr Funktionen und macht – speziell auf den neuen iPad Pro samt Apple Pencil – immer mehr Spass. Der angenehme Nebeneffekt: Lightroom auf Mac bzw. Windows ist nach wie für nur für einen Katalog ausgelegt, die Nutzung des Lightroom-Kataloges auf mehreren Rechnern ist wenig elegant. Mit Lightroom Mobile wird das immer erträglicher: einen zentralen Rechner und zwei iPads als dezentrale Bearbeitung? Warum nicht?

Wie organisiert man denn aber einen optimalen Workflow zwischen iPad und Arbeitsrechner?

Einige Voraussetzungen müssen gegeben sein:
1.) Lightroom in der aktuellsten Version und
2.) ein Creativ Cloud-Abo. Lightroom Mobile selbst kostet zwar nichts, die Synchronisation der Bilder klappt aber nur mit einem Abo.
3.) Beim Einlesen per Tablet: einen passenden Adapter, um eine Kamera oder eine SD-Karte anzuschliessen. Für das iPad gibt es da den Lightning auf USB respektive auf SD-Card Adapter.
4.) RAW-Format: Sinnvoll ist das Ganze dann, wenn wir die Stärken von Lightroom ausnutzen und in RAW arbeiten.

Zwei Szenarien können auftreten:
– Bilder werden über den Arbeitsrechner eingelesen wie schon bisher, inklusive Ordnerwahl und Erstellung eines Albums. Letzteres ist wichtig, weil Lightroom aktuell nur Alben synchronisiert, keine Ordner (ausser einem speziellen, das später mehr) und leider auch keine Smart-Sammlungen. Das geht nur mit einem Trick, den wir hier beschrieben haben.
– Das Reise-Szenario: Bilder werden unterwegs auf dem iPad eingelesen. Das ist etwas aufwändiger, hat aber den angenehmen Nebeneffekt eines Backup unterwegs.

Wer viele Bilder in Lightroom verwalten will, aber nur begrenzt Platz auf der schnellen, aber teureren und deswegen kleineren SSD hat, für den haben wir auch einen Arbeitsablauf, den wir hier beschrieben haben.

Starten wir. Wir haben eine SD-Karte voll mit Bildern.

Im ersten Szenario (Import am Rechner) ist zusätzlich zur normalen Arbeitsweise des Importes, also Ordner festlegen, Dateien benennen, Schlagworte hinzufügen lediglich ein Album anzulegen. Nicht notwendigerweise eines mit allen Bildern, hilfreich ist es, am Rechner schon mal eine Vorauswahl zu treffen und entweder alle unscharf/Augen zu Bilder wegzuschmeissen oder ein zusätzliches Album mit den schon vorausgewählten Bildern anzulegen.

Albummarkierung

Der kleine Doppelpfeil

Dieses Album (oder das mit allen Bildern) müssen wir jetzt Lightroom Mobile zur Verfügung stellen, das geht einfach:
Links neben dem Album gibt eine kleine Markierung, klickt man da rein, taucht ein Doppelfeil auf und ab sofort wird diese Sammlung zu Lightroom Mobile hochgeladen, und zwar laufend, d.h. Änderungen am Bild wandern auch automatisch in die Cloud und von da aus idealerweise auch an alle Plätze, an denen sie referenziert sind.

Szenario zwei ist etwas komplexer. Wer nur knappen Speicherplatz für Photos in der iCloud hat, der sollte zu Beginn der Operation das WLAN abschalten. Für den Import der Bilder müssen wir den Umweg über die „Photos“-App nehmen, und die lädt alle Bilder in die Cloud hoch. Da wir das aber nicht wollen, weil die Bilder ja in Lightroom liegen sollen, sollte man WLAN deaktivieren. Eine weitere Vorbereitung ist nötig; wir müssen Lightroom auf dem Rechner sagen, wo die Bilder aus der Cloud landen sollen.

Bilderablage in Lightroom

(1) Wo legt Lightroom die Bilder ab?

Bitte einmal in die Einstellung von Lightroom (merkwürdigerweise NICHT in die Katalog-Einstellungen, was man vermuten würde), und dort auf den Reiter „Lightroom Mobile“ klicken. Im unteren rechten Drittel wählen wir den Ordner auf der Festplatte aus, in dem die Bilder gesammelt werden sollen. Verschieben können wir die immer noch. Ich würde einen Ordner wählen, der sich innerhalb des Hauptordners, aber auf der obersten Ebene darin befindet. Auf meiner Festplatte habe ich alle Bilder, die aktuell sind im Bilder-Ordner des Systems, und darin in einem Sammelordner (hier „Bilder_0“), daneben würde ich den Lightroom Mobile-Ordner ablegen.

Ablageort Lightroom Mobile

(2) hier

Getreu der Devise, dass für Katzenfotos das Internet erfunden wurde, müssen auch hier unsere Katzen als Models herhalten.

Als Hinweis für später: Das ist lediglich der Ordner, in dem alle Bilder landen. Die können wiederum in vielen verschiedenen Alben enthalten sein.

Wenn das erledigt ist, kann es an den ersten Import gehen: Wenige Sekunden nach dem Einstecken des Adapters samt SD-Karte startet Photos, und zeigt die Photos auf der SD-Karte an, bereit zum Importieren.

Unsichtbare RAW-Dateien

(3) Unsichtbare RAW-Dateien

Besitzer bestimmter Kameras werden jetzt das sehen wie auf dem Bild (1, links): Nämlich nichts. Zu sehen sind nur die Platzhalter, aber nicht die tatsächlichen Vorschaubilder der RAW-Dateien. Aktuell passiert mir das bei Bildern aus Fuji-Kameras, in diesem Falle einer XT-2, ist aber auch bei einer X100F so. Mit Dateien einer Sony A7RII klappt das mit der Vorschau aber wunderbar. Das liegt an der unterschiedlichen Philosophie der RAW-Bearbeitung. Apple baut den RAW-Konverter ins Betriebssystem ein, und die nötigen Updates kommen langsamer als in Lightroom, das seine eigenen Konverter mitbringt.

Egal, ob im „Blindflug“ oder mit sichtbaren Vorschauen: Entweder die Bilder einzeln antippen – das macht tatsächlich nur Sinn, wenn die Vorschau sichtbar ist – oder oben „alle importieren“ auswählen. Hat man Bilder ausgewählt, gibt es noch einen weiteren Link „XX Bilder importieren“. Der eigentliche Vorgang des Importierens geht auf dem neuen iPad Pro mit USB-3-Geschwindigkeit, das ist eine erhebliche Verbesserung zu vorher. Gerade mit den neuen Kameras wie der Sony A7RII oder der Nikon D810 macht die Anschaffung eines iPad Pro Sinn.

In der Regel nach wenigen Sekunden (oder Minuten, abhängig von Anzahl der Bilder und Größe der Dateien) haben alle Bilder einen grünen Haken und es taucht die Frage auf:

Bilder löschen?

(4) Import ok! Löschen? Besser nicht!

„Sollen die importierten Bilder von der Kamera (Karte) gelöscht werden?“

Als vorsichtiger Mensch würde ich diese Frage immer mit „Behalten“ beantworten. Daten sollten immer an zwei Orten unabhängig voneinander existieren, dann reden wir von einem Backup. Aktuell haben wir diesen Zustand: Bilder sind sowohl auf der Karte als auch auf dem iPad. Löschen wir die Bilder jetzt von der Karte, bewegen wir uns auf dünnem Eis: Kommt das iPad abhanden oder geht kaputt, dann sind auch alle Bilder weg. Aus diesem Grunde würde ich die Bilder auf der Karte belassen – SD-Karten sind preiswert. Wenn Sie doch löschen wollen: Warten Sie, bis Lightroom Mobile nach anschalten des WLAN mit der vollständigen Übertragung der Daten in die Cloud fertig ist. Dann sind die Bilder auf dem iPad UND in der Cloud, also an zwei Orten.

Um die Daten in die Cloud zu bekommen – die ja jetzt alle immer noch in der „Photos“ – App gespeichert sind – starten wir auf dem iPad jetzt Lightroom Mobile.

Startbildschirm sind die Sammlungen, weil a.) nur Sammlungen von LR mobile synchronisiert werden und b.) es auf dem iPad kein öffentlich zugängliches Dateisystem gibt und c.) wir ja schon in der Einstellung (Bild 1) festgelegt haben, wohin die Bilder wandern, wenn sie in der stationären Version von Lightroom eintreffen. Mit dem „+“ oben rechts legen wir jetzt eine neue Sammlung an, und nach dem Anlegen befinden wir uns in der (leeren) Sammlung. Eine kleine Gedankenstütze, was die Ablage der Bilder angeht:

  • Importierte Bilder in der Photos-App sind unabhängig von Bildern in der Lightroom-App.
  • Sind die Bilder von der Photos-App nach Lightroom übernommen, dann nehmen sie doppelt Speicherplatz weg, können also in der Photos-App gelöscht werden (dazu später mehr).
  • Befindet man sich in der „Organisieren“-Ansicht von Lightroom, dann sind die Bilder in der Photos-App hinter dem Knopf „Aufnahmen“ am unteren Bildschirmrand von Lightroom Mobile zu finden.

Neben dem „Aufnahmen“-Knopf gibt es noch ein kleines Kamera-Symbol. mit dem man die Lightroom Mobile Foto-App startet. Wer etwas anspruchsvoller auch mit dem iPhone fotografieren will, sollte sich mit dieser Kamera beschäftigen. Weitreichende Einstellungen, RAW-Aufnahme, HDR Bilder automatisch erstellen (mit deutlicher Nachbearbeitungsmöglichkeit -RAW!)

Bilder zum Import auswählen

Bilder zum Import auswählen

Ein Tipp auf den „Aufnahmen“-Knopf öffnet einen Bildschirm mit den gerade importierten Bildern in der Photos-App. Auswählen tut man diese Bilder nicht durch darauf Tippen, man streicht darüber. Ist bei mehreren Bildern logisch, bei einem einzelnen Bild geht das auch. Hat man mindestens ein Bild ausgewählt, erschein unten „X Fotos hinzufügen. Ist dieser Vorgang abgeschlossen, hat man die Bilder doppelt: in Photos und in LR. Jetzt kann man in Photos-App die importierten Bilder löschen. Tut man das, kommt die Warnung, dass die gewählten Bilder von allen synchronisierten Geräten und aus der Cloud gelöscht werden. Bestätigen, und die Bilder sind weg – aber ja noch in LR Mobile.

Apple denkt mit und schützt den User vor diesem „Mist, die wollte ich gar nicht löschen. Alle „gelöschten“ Bilder werden noch einige Tage in einem speziellen Album aufbewahrt, „Zuletzt gelöscht“. Erst, wenn man dieses Album öffnet und die Bilder darin auswählt und löscht, dann sind sie weg und es ist Platz auf dem Gerät. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, das abgeschaltete WLAN wieder anzuschalten. Die Bilder werden jetzt nicht mehr in die Apple-Cloud synchronisiert und auf alle angemeldeten Geräte synchronisiert.

Gleichzeitig fängt jetzt LR Mobile an, die Bilder in die eigene Cloud hochzuladen. Da das auch die Originale mit vielen Megabyte sind, kann man sich auf eine längere Operation einstellen. iPad an Strom anschließen, und angeschaltet und mit aktivem LR Mobile liegen lassen.

Zusammengefasst:

  • Bilder importieren auf das iPad in die „Photos“-App
  • Bilder aus der „Photos“-App in LR Mobile importieren
  • Importierte Bilder in der „Photos“-App löschen
  • Im Album „Zuletzt gelöscht“ diese Bilder endgültig löschen
  • LR Mobile synchronisieren lassen
  • Die Original (RAW) Dateien tauchen dann in Lightroom im eingestellten Ordner auf (Abb.2)
  • Die Bilder sind in dem Album, was ich als Ziel beim Import gewählt habe.
  • Alle Bewegungen der Bilder auf LR Mobile oder auf dem Desktop werden auf die jeweils andere Seite synchronisiert!

Das war die Kür für einen erfolgreichen mobilen Import, funktioniert wunderbar im Urlaub, wenn man eine Sicherung der gemachten Bilder haben möchte. iPads gibts jetzt mit mächtig Speicher, das ist also ein durchaus ernstzunehmendes Backup-Medium.

Der eigentliche Spaß beginnt aber jetzt:

  • Bilder sichten, sortieren, markieren
  • Ausschnitte bestimmen, erste vorsichtige Bearbeitungen
  • feinere Bewertungen, was will man aufbewahren, was soll noch bearbeitet werden.

Dann sitzt man auf der Hotelterrasse, ein Glas Weißwein vor sich, und bearbeitet mit noch frischen Erinnerungen und dem Apple Pencil seine Bilder.

 

  2 comments for “Ein perfekter mobiler Workflow mit Lightroom Mobile

  1. Jürgen jaschko
    4. Januar 2018 at 20:05

    Guten Tag Herr Kunkel
    Ein herzliches Dankeschön für Ihre rollen tipps zum Workflow mit Lightroom.
    Bin erst vor kurzem auf adobe lightroom classic cc umgestiegen, da mich iphotos beziehungsweise fotos auf dem mac immer mehr nervte. bilder spurlos verschwunden, lauter duplikate welche sich nur mühsam löschen liesen etc.

    Jetzt habe ich eine kleine Frage:

    Habe auf dem desktop ein paar tausend fotos auf lightroom classic cc importiert
    Importeinstellungen Vorschau Standard + Smart vorschauen erstellen (import nur jpg)
    Metadaten einbinden (copyright für die Bilder vergeben)
    Das hat dann mal 24 Stunden gedauert bis lightroom fertig war.

    Jetzt habe ich Sammlungen angelegt und diese mit der Cloud synchronisiert.
    Alles hat wunderbar geklappt, nur wenn ich jetzt auf dem ipad pro 12,9 Zoll
    die Sammlungen lade benötige ich eine aktive wlanverbindung damit die bilder von der Vorschauversion tatsächlich scharf gestellt werden……
    Ist natürlich blöd, wenn man unterwegs ist und gerade kein wlan zur Verfügung hat….

    Haben Sie eine Lösung, (speicher auf ipad 256 gb). Danke für Ihre Nachricht

    Mit freundlichen Grüßen
    Jürgen Jaschko

    • Wolfgang Kunckel
      5. Januar 2018 at 17:35

      Moin, moin!

      Danke für die Blumen!

      Lightroom, egal welche Version wo braucht die die 1:1 Vorschau zur Bearbeitung. Die wird entweder aus einer vorhandene Originaldatei generiert, oder aus einer Smart-Preview.
      Wenn beides nicht vorhanden ist, greift Lightroom auf die Originaldatei zurück -und braucht dann Internetzugang.

      Umgehen kann man das:
      1.) Auf dem iPad in Lightroom die Sammlungs-Ansicht aufrufen
      2.) neben jeder Sammlung gibts ein Menü (. . .), dort bei den gewünschten Sammlungen „lokal speichern“ wählen. Dann lädt LR Mobile die Smart-Previews herunter (und synchronisiert dann auch Änderungen).

      Viel Spaß beim Fotografieren!

      Wolfagng Kunckel

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