Von verbesserten Abläufen…

Wer diesem Blog folgt, weiß über das Interesse (oder sagt man besser schon Obsession) des Verfassers mit den Aspekten der Fotografie, speziell den Arbeitsabläufen. Mit iOS 14, neuen Versionen beliebter Programme und verbesserter Hardware hebt die Idee, das iPhone als primäreren Fotoapparat zu nutzen, immer öfter und immer hartnäckiger das Haupt.

In den letzten Tagen gab es wieder einen kleinen Baustein für den von mir favorisierten Ablauf, und aus diesem Grunde folgt jetzt für alle, die auch gern mit der „immer-dabei-Kamera“ des iPhones ansprechende Fotos machen und bearbeiten wollen, eine kleine Skizze, wie mein eigener Arbeitsablauf aktuell aussieht.

Rot-Gelb-Grün (iPhone 11 Max, Halide 2, Lightroom)

Grundsätzliches

Der Kamerachip im iPhone ist sehr klein. Er löst mit 12 Megapixeln auf, die drängeln sich aber auf einer sehr kleinen Fläche, so dass jedes Pixel nur eine winzige Fläche zur Verfügung hat – im Gegensatz z.B. zu einer Vollformatkamera, die wesentlich größere Pixel hat. Das ist deshalb wichtig, weil größere Pixel mehr Licht sammeln können, bevor sie überlaufen. Wer auf dem iPhone mit der eingebauten Kamera-App eine Aufnahme macht, der setzt eigentlich ein komplexes Computer – Netzwerk in Bewegung. Es werden diverse Aufnahmen gemacht, gewichtet, verglichen, kombiniert und dann ein ansprechendes Ergebnis darauf errechnet. Das liefert beeindruckende Aufnahmen, man hat allerdings nicht allzu viele Möglichkeiten des Eingriffes.

The Power of RAW

Der engagierte Fotograf hätte gern Ausgangsmaterial, in dem soviel Bildinformation drin sind wie möglich. Dazu nutzt man gern das RAW-Format, ein Format, in dem die Bilddaten vom Kamerachip im wesentlichen unbearbeitet sind und eine höhere Qualität haben, als die eingedampften und auf ein optimales 8-bit Ergebnis zusammengerechneten JPEG-Daten, die die Kamera-App normalerweise liefert. Die eingebaute Kamera-App liefert wahlweise ein JPEG, voreingestellt ist allerdings ein anderes Format, HEIF (High Efficiency Image File Format). Das speichert in einem sehr platzsparenden Format mit immerhin 10 Bit ab. Dieses Format wird auch immer mehr von anderen Kameraherstellern verwendet, ich bin mir aber nicht so sicher, ob dieses Bild nicht auch schon auf ein optimales Ergebnis hin zusammengerechnet wurde und noch genug „Luft“ für eine weitreichende Bearbeitung hat – da traue ich einem RAW mehr zu. Ach so, kleine Bemerkung dazu: Auf dem iPhone werden die RAW-Bilder im Format DNG gespeichert, wenn ich also das Wort DNG benutze – das ist das RAW.

RAW – gut versteckt!

Nun ist die RAW-Bearbeitung auf dem iPhone/iPad nicht so ganz gradlinig, wie man sich das wünschen würde. Apple, immer getreu seiner Devise, es dem User so einfach wie nur irgend möglich zu machen, „versteckt“ das RAW gern. Das RAW – Bild landet oft zusammengefasst mit dem HEIF/JPEG-Bild in der Bildersammlung, bearbeitet man dann das Bild, muss man, je nach Programm, deutlich aufpassen, was man denn da grad bearbeitet. Aus diesem Grunde habe ich mir einen Workflow ausgedacht, in dem ich gezielt auf dieses Bild zugreifen kann.

Workflow und Bestandteile

1.) Hauptbestandteil meines Workflows ist ein iPhone 11 Pro Max. Das ist schön groß, einer der Vorteile der Größe ist, dass man es gut halten kann, ein weiterer Vorteil ist die lange Batterielebensdauer – in der Regel fast zwei Tage, bei heftigem Fotografieren mindestens einen Tag.
2.) Batteriehülle dafür. Die macht das Ganze noch etwas größer, muss man mögen. Hat drei Vorteile: Mehr Batterie (3 Tage), mehr Gewicht und einen eigenen Auslöser und Aufrufknopf für die Kamera. Mehr Gewicht ist gut für Handling und ruhig halten, und der Auslöseknopf ist ein eigener, also nicht der Lautstärkeknopf. Drückt man den, startet die Kamera-App, und man kann auch damit auslösen. Nachteil: Dieser Knopf löst auch nur die eingebaute Kamera-App aus, und nicht eine eventuell gestartete Fremdkamera App.
3.) Eine Kamera-App, die RAW kann. Da habe ich mich vor einiger Zeit für „Halide“ entschieden, warum ich da immer noch dran festhalte – kommen wir gleich zu.
4.) RAW-Bearbeitung. Da gibt es sehr viele Möglichkeiten, von „Darkroom“ über diverse andere Apps bis zu Lightroom. Da ich sowieso eine Adobe – Photo -Abo habe und in Lightroom mittlerweile gut zu Hause bin, ist das meine Wahl.
4.) Ministativ. Bei Langzeit-Aufnahmen immer noch der beste Bildverbesserer. Nichts geht über einen stabilen Stand bei längeren Belichtungszeiten, auch, wenn Apple wahre Wunderwerke vollbringt, was die Kamera und den Nachtmodus angeht, mit mehreren Sekunden aus der Hand fotografiert.

Halide, RAW, bearbeitet in Lightroom auf dem iPad

Vorbereitungen

Apple hat sich immer noch den unfairen Vorteil gegönnt, dass die Default-Kamera im iPhone immer die Apple-eigene ist. Dem kann man mit Siri und dem Programm Kurzbefehle aber etwas entgegenwirken. Ich habe mir einen Kurzbefehle angelegt, der das Programm „Halide“ startet. Und diesen Kurzbefehl habe ich in iOS 14 auf das doppelte Tippen auf die iPhone – Rückseite gelegt. (Einstellungen->Bedienungshilfen->Tippen->Auf Rückseite tippen). Das klappt ganz gut, nicht immer, aber irgendwann hat man es raus. Warum Halide? Eine Kameraapp mit sehr guten Ergebnissen und sehr einfachem Bedienkonzept. Fokuslupe, Zebra, Fokuspeeking, sehr einfaches manuelles Fotografieren und einem direkten Zugriff auf das RAW-Bild. In „Halide“ habe ich RAW eingestellt. Für den Austausch der Bilder noch einen Ordner in iCloud Drive anlegen und es kann losgehen.

Und los…

1.) Nach der Aufnahme habe ich ein korrekt belichtetes Bild. Halide zeigt ein Histogramm des Bildes an, ich kann sehr genau gucken, wo Lichter wegbrechen. Halide bietet mir nach der Aufnahme ein unbearbeitetes DNG Bild an, etwas flau und flach. Da ich weiß, was man da raus holen kann, lasse ich das meistens gut sein, ich kann aber auch über den Knopf „Instant“ eine schnelle Berechnung des Bildes nach JPEG durchführen.

2.) Will ich dieses Bild bearbeiten, wähle ich in „Halide“ die Ansicht DNG aus und tippe auf den Pfeil zum exportieren des Bildes. „Halide“ fragt dann nach, ob ich das JPEG oder das DNG exportieren will. Ich wähle dann das RAW aus und sicher es über „In Dateien sichern“ in einen Ordner im iCloud Drive, den ich mir weiter oben angelegt habe. Vorteil dieser Arbeitsweise: Wenn ich die gewünschten Bilder in Lightroom übernehme, dann sind es wirklich nur die, die ich weiterbearbeiten und aufbewahren will. Was bei der Preispolitik bei Adobe und Speicherplatz durchaus ein Vorteil ist.

3.) In Lightroom wähle ich jetzt den Knopf „Bilder hinzufügen“, der in den Bereichen „Alle Fotos“ und „Zuletzt hinzugefügt“ direkt neben dem kleinen Kamera – Knopf unten rechts in der Ecke ist. Im folgenden Dialog habe ich dann seit einiger Zeit auch die Möglichkeit, Bilder aus dem iCloud Drive hinzuzufügen.

4.) Bild bearbeiten, was auf dem iPad mit Pencil wunderbar funktioniert, und dann in die Fotosammlung exportieren.

Halide, heftige Bearbeitung in Lightroom

Warum nicht die Lightroom Kamera nutzen? Zwei Gründe. Einmal mag ich „Halide“ von der Bedienung mehr, und zweitens landen alle Aufnahmen mit der LR-Kamera auch gleich in der Adobe Cloud – siehe Speicherplatz weiter oben.