Die E-Mobilität wird ein Erfolg – irgendwann bestimmt

Ich lease ein neues Auto, und das kommt später als verabredet. Dafür darf ich einen Leihwagen nutzen, und ich bekomme einen i3 von BMW angeboten, einen knutschigen, bunten Elektrowagen. Ich muss über die Weihnachtstage keine große Reisen machen, und da der Wagen 200 Kilometer Reichweite hat, stellt bei einer ersten Überlegung auch die zum ersten Weihnachtstag nötige Reise ins Weserbergland mit 140 Kilometern kein großes Problem dar. Der erste Tag mit dem Wagen ist sehr erfreulich, wendig, leise und trotzdem schnell genug – beim Beschleunigen an der Ampel manchmal zu schnell. Nach kurzer Zeit fragt man sich, warum nicht alle Autos so weich und entspannt fahren.

Kleiner nagender Unsicherheitsfaktor: Die Reichweite bei vollem Akku wird mit 88 km angezeigt und verhält sich merkwürdig – mal langsam weniger werdend, mal langsam steigend. Nervös geworden frage ich bei meinem sehr geduldigen Verkäufer nach: Die Reichweite errechnet sich aus mehreren Faktoren, eine davon ist der Fahrer. Und die vorherigen Fahrer haben wohl kräftig Strom gegeben. Ich solle einfach mal normal weiterfahren, dann würde sich das einpendeln. Und das tut es auch nach 50 Kilometer auf der Landstrasse. Mit 75% Ladung reicht der Strom noch 137 Kilometer.

Um den Wagen noch einmal voll aufzuladen, laufe ich ein örtliches Einkaufszentrum an, das mit der Verfügbarkeit von zwei Ladesäulen wirbt. Letzte Geschenke kaufen und dabei aufladen: Idealzustand. Allerdings sind die beiden Plätze belegt, und zwar von normalen Autos. Das scheint mir ein erstes Problem der umfassenden Elektromobilität zu sein – verfügbare Ladestationen.

Da ich zu Haus nicht immer einen Parkplatz vor der Tür finde und auch nicht einfach ein dickes gelbes Kabel über den Bürgersteig legen kann, erhöhen sich grad die Schwierigkeiten für einen reibungslosen Verlauf der weiteren Reise. Ein kurzes Telefonat mit unseren Gastgebern im Weserbergland ergibt weiteres Unerfreuliches: Das Haus ist ein altes Bauernhaus, mit alter Installationstechnik. Ob da so ein moderner Wagen dran geladen werden könne? Man zweifelt daran.

Unruhig geworden rufe ich ein zweites Mal bei meinem wirklich sehr geduldigen Verkäufer an. Der erklärt mir kurz, dass das eigentlich kein Problem sein solle, der Wagen habe einen „Range Extender“.Das ist ein kleines Benzinmotörchen, welches man dazuschalten kann und das dann im hinteren Bereich unregelmäßig herumnörgelnd den Akku immer auf der aktuellen Prozentzahl hält. Der Tank dafür ist aber klein, nach 130 km ist auch da Schluss.

Solchermassen beruhigt wird zu Heiligabend die Familie besucht, und um Installationen zu testen, legen wir aus dem Haus ein Kabel nach draussen und schließen den Wagen an. Im Auto kann man einstellen, mit welcher Stromstärke der Wagen laden soll: Schwach, reduziert oder volle Pulle. Wir wählen das Pendant eines kräftigen Staubsaugers („reduziert“), und zum Ende des Kaffeetrinkens ist der Wagen um 3% aufgeladen. So etwas sollte auch die Elektrik des Bauernhauses leisten können, dann wäre nach 24 Stunden das Auto um ca. 30% aufgeladen. Das müsste passen.

Zur kompletten Aufladung vor der großen Fahrt listet mir das Navi eine Schnelladestation auf. Die ist in der Nähe und auch tatsächlich frei. An den vier danebenstehenden Tesla-Superchargern vertreiben sich ein Däne und ein Süddeutscher die Ladezeit ihrer Teslas mit freundlicher Plauderei, und auch mein kleiner i3 ist dank heftiger Gleichstromladung nach etwas über 30 Minuten randvoll.

Abfahrt am ersten Weihnachtsfeiertag. Akku und Extender bieten zusammen inzwischen dank gleichmäßiger Fahrweise fast 300 km Reichweite an, das sollte für Hin- und Rückfahrt reichen, mit etwas Nachladerei auf jeden Fall. Schaltet man die Lüftung höher, sinkt die Reichweite, ein schöner Hinweis auf die Energiekosten für die eigenen Aktionen.

Bei Ankunft mit noch 75% Akkuladung wird ein Kabel durch das Fenster der Waschküche nach draussen gelegt, der Anschluss der Waschmaschine macht den besten Eindruck. Wir laden mit mittlerer Stromstärke, um 21:48 soll der Wagen wieder voll sein. Nach wenigen Minuten schaltet sich die Ladeelektronik ab. Der Blutdruck steigt. Ich stelle im Auto die Ladestromstärke auf gering, um 1:33 soll fertig geladen sein. Und diesmal hält die Elektrik des Hauses durch. Die Rückfahrt am nächsten Morgen läuft angenehm glatt, Ankunft mit noch 20% Akku. Fazit: Mit einem Elektroauto ist die Planung einer Reise wieder wichtiger geworden, und es gibt noch diverse zu lösende Dinge, bevor das ein Massenphänomen wird. Nervig ist die Achtlosigkeit anderer Autofahrer, die immer wieder wertvolle Ladeplätze blockieren. Was sich nicht ändern wird: Ob man elektrisch oder per Benzin im Stau steht – man steht im Stau.

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