Alles in die iCloud. Oder doch lieber nicht?
Wenn man so hört und mitverfolgt wie von unguten Menschen eingesetzte KI Agenten andere Softwarelösungen knacken, dann kommt man schon ein bisschen ins Grübeln, wie man denn seine eigenen Daten vor dem Zugriff anderer Leute sichern sollte.
Diese Frage ist besonders relevant, wenn man auf den Komfort einer Vernetzung von Daten, sprich das Benutzen aller Daten von mehreren Geräten und womöglich auch unterwegs nicht verzichten will.
Da bieten sich natürlich erst mal die üblichen Verdächtigen an, als da wären OneDrive, Dropbox und was der vielen Cloud-Dienstleister mehr sind. Nachteil bei allen Diensten: Die Daten werden nur mit einem Schlüssel des Diensteanbieters bei der Ablage verschlüsselt.
Beispiel, Zitat Dropbox:
Um die Komplexität von Dropbox zu verringern, fortschrittliche Features zu ermöglichen und eine sichere Kryptografie zu gewährleisten, übernimmt Dropbox für seine Nutzer die Dateiverschlüsselung. Schlüssel für die Dateiverschlüsselung werden mithilfe von Sicherheitsfunktionen in der Infrastruktur des Produktionssystems und Sicherheitsrichtlinien erstellt, gespeichert und geschützt.
Ist dieser (oder einer dieser) Schlüssel kompromitiert, was beim aktuellen Tempo der KI-Enwicklung wohl eher in Wochen als in Jahren gemessen werden sollte, dann kann jeder sehen, was Ihnen der Heizungsmonteur bei der Badrenovierung berechnet hat und was im Untersuchungsbericht des Arztes über den eitrigen Abszess steht.
Will man das? Nein, will man nicht.
Also muss eine Lösung her, die einem die Hoheit über die Daten und deren Sicherheit wieder in die eigenen Hände legt.
Da bieten sich als erstes diverse Verschlüsselungslösungen an, als Beispiel sei hier die quelloffene Lösung „Boxcryptor“ genannt, mit dem man die Daten erst verschlüsselt mit einen eigenen Kennwort und das Ergebnis dann auf dem Cloudspeicher ablegt.
Vorteil: Wenn jemand den Dienstleister hackt, dann sind in den Daten eben keine Rechnung vom Heizungsmonteur und kein Arztbericht mehr, statt dessen findet er nur eine sinnlose Ansammlung von Bytes, die nichts aussagen ohne ihr vergebenes Kennwort.
Nachteil: Diese Verschlüsselungslösung muss es für alle genutzten Plattformen/Betriebssysteme geben und sie muss immer zusätzlich auf allen neuen Geräten installiert werden. Hat man ein neues Gerät und vergisst das, dann fällt es einem garantiert dann ein, wenn man dringend Zugriff auf irgendetwas braucht, gern im Zug, bei schlechter Netzverbindung oder am Gate mit vielen alkoholgeladenen Urlaubern hinter sich. Und dann könnte es leicht hektisch werden: Software herunterladen, installieren, eventuell Seriennummer eingeben, die verschlüsselten Daten zuweisen und deren Zugriffscodes eingeben…
iCloud to the rescue
Nutzer des Apple Ecosystemes haben seit einiger Zeit eine angenehmere Lösung: iCloud Drive mit „Erweitertem Datenschutz„. Das ist eine seit kurzem verfügbare Option, die sie einschalten können. Ihre Geräte verschlüsseln dann alle Daten eigenständig mit Ihrem selbst vergebenen Schlüssel, bevor sie auf iCloud abgelegt werden. Alle Daten, die geteilt werden, lassen sich nicht verschlüsseln, also zum Beispiel Kalender, gemeinsame Notizen, etc.
Das heißt, dass ab jetzt die volle Verantwortung für den Zugriff auf ihre Daten nur noch bei Ihnen liegt. Das Prinzip nennt sich modisch „Zero Knowledge“, übersetzt etwa „Keine Ahnung“, und meint, dass Apple den Schlüssel zur Entschlüsselung Ihrer Daten nicht hat – und Ihnen deswegen auch nicht helfen kann, wenn Sie den Schlüssel verschusselt haben.
Aus diesem Grunde fährt Apple bei der Einschaltung dieses Features eine straffe Palette an Warnungen und Bedingungen auf. Erst einmal muss der Account mit einer Zweifaktor-Autorisierung abgesichert sein, was Sie aber ja sicherlich haben, wenn Sie unsere Sicherheitshinweise immer lesen und befolgen. Zweitens müssen Sie einen laaaaaangen Wiederherstellungsschlüssel ausdrucken und ablegen, und drittens müssen alle ihre Geräte das unterstützen. Wenn das alles gegeben ist und Sie das Feature eingeschaltet haben, dann merken Sie bei der weiteren Arbeit mit Ihren Dateien – nichts. Nichts stört, keine zusätzlichen Kennwörter, keine Installation von Software.
Ein weiterer, nicht ganz unerheblicher Vorteil dieser Lösung ist es, dass alle iCloud-Daten in der „Dateien“ – App auf iOS und iPadOS wunderbar nachverfolgt werden können. Sie bearbeiten grad ein Dokument in Pages auf dem Mac? Öffnen Sie „Dateien“ auf dem iPad, und diese Datei steht prominent im Verlauf angezeigt.
Das Ganze läuft bei uns jetzt seit einiger Zeit reibungslos, und der finanzielle Mehraufwand für genug Speicherplatz in iCloud wird locker ausgeglichen durch Einsparungen bei Dropbox, etc.

