Nachlese zur WWDC 2015

WWDV 2015 Logo

WWDC 2015 Logo

WWDC 2015: Der erste Teil war das zu Erwartende: Ankündigung neuer Betriebssysteme, OS X und iOS bekommen eine neue Version, 11 bei OS X und 9 bei iOS, das watchOS für die Apple – Uhr wird erweitert. Entwickler können in der Version2 native Apps schreiben, die auch Zugriff auf eine ganze Reihe von Sensoren haben.
An mehreren Stellen der Keynote merkte man, dass Apple sich entschlossen hat, den Aspekt „Wem gehören meine Daten“ aggressiver zu vermarkten. Immer wieder wurde darauf hingewiesen, dass Apple mit diesen Daten nichts machen will, dass die das Gerät nicht verlassen und weitere Sticheleien gegen Google mehr.
Man merkte schon deutlich, dass diese Veranstaltung eine Entwickler-Show war: Wo sonst bekommt jemand auf der Bühne tosenden Beifall, wenn er eine „API für die Suche“ ankündigt?

Ein kleiner Überblick samt Bewertungen für die einzelnen Vorstellungen:

OS X: Stabilität und Geschwindigkeit standen da im Vordergrund.

Sowas hören wir natürlich gern, wenn sich ein Hersteller Zeit nimmt, bestehende gute Produkte weiter zu verbessern. Das tut Apple in OS X. Gearbeitet wurde am Fundament, die Ergebnisse können sich sehen lassen: Programme starten schneller, sind besser miteinander integriert. Die Bedienung ist vereinfacht, das Handling von vielen Fenstern im Finder ist deutlich verbessert. Die von Apple in iOS eingeführte Softwareschicht „Metal“ kommt auf den Mac, und die sorgt dafür, dass viele Programme viel schneller werden. Adobe wurde zitiert mit „Geschwindigkeitssteigerungen für bestimmte Programme von 600%“.
Marketing und Wirklichkeit, warten wir mal ab. Und während der Demo war es dann manchmal etwas, naja, merkwürdig: Phil Schiller wurde von der Bühne herab zum Geburtstag gratuliert, und bei der Vorstellung der neuen Features für Fotos kamen Bilder zum Vorschein, in denen die führenden Köpfe von Apple in merkwürdigen Verrenkungen beim Karaoke-Singen zu sehen waren…

iOS: Auch hier – Verbesserungen, bessere Integration und „Proactive“

Viele kleine Dinge, herauszuheben zwei für das iPad und eines für alle iOS-Geräte:
„Proactive“ versucht, dem Nutzer immer einen Schritt voraus zu sein: Stöpselt man den Kopfhörer ein, startet Musik, bekommt man einen Anruf von jemandem, der nicht im Telefonbuch steht, dann versucht „Proactive“ herauszufinden, wer das sein könnte. Dazu durchstöbert es das gesamte Telefon nach diese Nummer, wird es, z.B. in einer Mail fündig, zeigt es auf dem Anruf-Schirm den passenden Namen an.
Das iPad bekommt zwei sehr gute Updates: Einmal kann man ab iOS 9 die Tastatur als Trackpad nutzen, wenn man mit zwei Fingern streicht. Die Einfügemarke im Text bewegen: Viel einfacher jetzt. Zusätzlich gibts kleine Zusatztasten für Kopieren und Einfügen.
Und die beste Neuigkeit, die allerdings dem iPad Air 2 vorbehalten ist: Multi-Tasking mit Split-Screen. Man kann jetzt von der Seite eine Leiste hereinziehen und so z.B., ohne das laufende Programm zu beenden, Nachrichten beantworten. Diese Apps in der Seitenleiste lassen sich auch gleichberechtigt nebeneinanderlegen, mit justierbarer Bildgröße. Schick.
Auch über die Batterielebensdauer hat sich Apple Gedanken gemacht. Durch interne Änderungen soll es „ca. 1 Stunde mehr Laufzeit“ geben. Laufzeit, wohlgemerkt, nicht StandBy-Zeit. Und wenn der Akku knapp ist kann man in iOS9 eine Art „Notschalter“ umlegen, dann läuft das Telefon mit reduzierten Funktionen noch bis zu drei Stunden weiter.
Um mehr Leute auf das aktuellste Betriebssystem zu bringen, hat Apple die Hürden für ein erfolgreiches Update gesenkt. Auch Geräte mit wenig oder vollem Speicher können jetzt updaten. Das wiederum begeistert Entwickler: Sie können bei ihren Programmen eine breite Nutzerbasis mit aktuellem System voraussetzen. Macht viele Dinge einfacher.
Die Karten/Navigations-App in iOS9 wird erweitert und kann jetzt auch den öffentlichen Nahverkehr anzeigen und berechnen, vorerst allerdings nur in wenigen Städten in Europa, aber vielen in China. Wer also ab Herbst nach Berlin fährt, kann jetzt auch Maps für den BVG nutzen… 😉

Apple Pay

kann jetzt Guthaben-Karte, nimmt in den USA deutlich Fahrt auf und kommt im nächsten Schritt nach England. Das dazugehörige Programm heißt jetzt nicht mehr „Passbook“, der Name ist jetzt „Wallet“, Brieftasche. Irgendjemand bei Google wird in diesem Moment wütend auf die Armlehne gehauen haben…
Eine kleine Ankündigung macht stutzig: Im neuen iOS gibt es eine „News“-App, die im Stile von „Flipboard“ Nachrichten von verschiedenen Anbietern sammelt und hübsch aufbereitet. Der Dienst arbeitet in einem speziellen Format, die Anbieter müssen also Aktionen unternehmen, um das zu realisieren. Bleibt abzuwarten, ob das bei Verlagen auf Gegenliebe stößt. Der Dienst startet aber vorerst nur in den USA und noch zwei Ländern, bleibt abzuwarten, ob und wann er zu uns kommt.

watchOS: Version 2 mit nativen Apps.

Die Apple Watch sollte man im Auge behalten. Das neue System erlaubt viele schönen Dinge neu. Liegt die Uhr auf der Seite zum Aufladen (die Knöpfe nach oben), wechselt die Uhr in einen „Nachtisch-Modus“, bei Knopfdruck zeigt sie richtig ausgerichtet Uhrzeit und Alarm an, und die beiden Knöpfe dienen zum Ausschalten oder Schlummern des Wecker. Entwickler können jetzt die „Komplikationen“ genannten Info-Bereiche auf den Zifferblättern mit eigenen Infos füllen. Schick auch die Zeitreise: Dreht man im Zifferblatt die Krone, dann stellt sich die Uhrzeit vor und man sieht damit gekoppelte Informationen, z.B. das kommende Wetter.
Und der größte Sprung: Entwickler können jetzt Apps schreiben, die direkt auf der Uhr laufen und die Sensoren, Mikrofon und Lautsprecher nutzen. Das Ganze lief auf der Demo erstaunlich schnell und Flüssig. Apps starteten innerhalb einer Sekunde, drehen der Krone übersetzte sich ohne Stucken und Stottern in Aktionen auf dem Schirm.
Alle drei Updates werden „im Herbst“ für uns Endanwender kommen, Entwickler können die bereits jetzt herunterladen.
Da es eine Entwicklerkonferenz war, hat Apple auch noch eine neue Version seiner eigenen, einfacheren Entwicklersprache namens „Swift“ vorgestellt, die die damit gemachten Programme noch einmal beschleunigt. Und ein geschickter Schachzug: Swift ist jetzt Open Source, es kann sich also jeder hinsetzen, und diese Entwicklungsumgebung für eigene Geräte und Zwecke umbauen.

Bis dahin – so gut, so erwartbar,

aber dann glitt die Veranstaltung etwas ab:
Es begann mit einem berühmten Zitat: „One more thing…“ und es endete damit, dass wir jetzt wissen: Auf der Bühne steht eine Art Teleprompter. Das ist nur noch nicht so richtig aufgefallen, aber beim Auftritt von Jimmy Iovine war es nicht zu übersehen. Der hatte, entweder schlecht vorbereitet oder vergesslich, einige Schwierigkeiten, sein Timing hinzubekommen. Neben Strecken mit Hochgeschwindigkeitsperformance kamen lange „Slow Motion“ – Bereiche, in denen er sichtlich bemüht war, auf dem Teleprompter herauszufinden, wo er denn war in seiner Präsentation. Er kämpfte sich einige Minuten durch diesen Dschungel und übergab dann sichtlich erleichtert an Eddy Cue, der uns „Apple Music“ nahezubringen versuchte.
Tatsache ist, dass Apple in den Bereich des Music Streaming einsteigt. Man zahlt 9,99€ (für eine Familie mit bis zu 6 Personen für alle 14,99€) und kann dann online – und offline – 30 Millionen Titel hören. Das sind, glaube ich, ganz schön viele…
Zusätzlich gibt es noch drei Radio-Stationen, „Beats 1“ genannt, die kuratiert von Menschen, angesagte Musik spielen. Und einen dritten Bereich gibt es, mit dem sich „Künstler besser mit Fans verbinden können“.
Das Ganze startet Ende Juni und hinterlässt bereits jetzt Spuren im Markt der angestammten Anbieter. Die Aktie von Spotify ist gesunken…
In wie weit iTunes Match und die eigene Musikbibliothek damit integriert sind ist noch nicht ganz klar.