Ein Loblied auf Scrivener…

Was ist Scrivener?

Wer viel schreibt und sich immer mal wieder über die lineare Schreibweise von Word oder ähnlichen Konsorten geärgert hat, für den gibt es schon seit geraumer Zeit Abhilfe: Scrivener.
Grundprinzip von Scrivener ist es, ein Gesamtkunstwerk wie ein Buch, eine Doktorarbeit, kurz: alles was länger zu schreiben ist, in kleine und kleinste Teile zu zerlegen. Im Beispiel eines Buches sind das Ordner für Kapitel, und innerhalb der Ordner dann Szenen, die die Geschichte ausmachen.
Diese Zerlegung in kleine Teile spielt dann seine Stärken aus, wenn man mit diesen kleinen Teilen geschickt umgeht. Jeder kleine Text, jede Szene kann neben dem reinen Text noch viele Metadaten enthalten, die eine Verwaltung dieser Szenen sehr einfach machen.
Nehmen wir das Beispiel Buch: Wir schreiben ein Kapitel, in diesem Kapitel gibt es verschiedene Szenen. Diese Szenen spielen in mehreren Handlungssträngen zu verschiedenen Zeiten mit verschiedenen Personen. Man kann jetzt jedes kleine Szenen-Schnipselchen mit einer Zusammenfassung, der Synopsis, versehen. Das hilft, wenn man Szenen auf dem Korkbrett neu anordnen will. Man sieht dann schnell, was die Szene enthält. Das Korkbrett heißt so und sieht auch so aus…

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Zum anderen kann jede Szene mit einem oder mehreren Schlagworten versehen werden, also Ort, Person oder Erzählstrang. Nach diesen Schlagworten kann man dann suchen, und diese Suchergebnisse sich hintereinander als langen Text anzeigen lassen – man merkt dann deutlich, wo es Brüche gibt und ob die Anschlüsse passen. Die Sahne obendrauf ist, dass man diese Szenen über ein Zusatzprogramm (Aeon Timeline) auch in der Zeit festlegen kann. Ist man im Zweifel, ob das mit der Hauptfigur chronologisch richtig ist: Einfach alle Schnipsel mit dieser Figur suchen und in der Timeline dann sofort sehen, wenn was nicht passt.
Weitere Pluspunkte erwirbt sich Scrivener, wenn es darum geht, die einzelnen Szenen zu einem Buch zusammenzusetzen. Man kann einen Korrekturabzug ausgeben, als PDF, als Druck oder als E-Book, und den dann an seinen Lektor weitergeben – und die vernichtenden Kommentare dann im Rücklauf einarbeiten.

Jetzt neu: Scrivener für iOS

Die wichtigste Neuerung im Scrivener – Universum ist das Erscheinen der Version für iPad und iPhone.
Ganz recht, Scrivener gibt es jetzt für iOS. Für nicht mal 20€ (= 4 Becher eines überteuerten Kaffee-Surrogates in einer beliebten Kaffeehauskette) bekommt man ein mächtige Erweiterung seinen Lieblingsschreibprogrammes.
Will man die macOS und die iOS-Programme miteinander koppeln, reicht es, die Projekte in der Dropbox in den Scrivener-Ordner im Ordner „Apps“ zu legen. Startet man dann das iOS-Programm, werden diese Projekte automatisch angezeigt und können geöffnet werden.
Das, was man dann zu sehen bekommt, ist für eine Version 1.0 ganz schön mächtig.
Die Sammlung von Ordnern, Kapiteln und Szenen ist da, die angelegten Figurenblätter stehen zur Verfügung und auch der gesamte Inhalt des „Research“ – Ordner ist da: Alle Referenzen, PDF, Wikipediaeinträge.
Man kann genau dort weiterschreiben, wo man auf dem Desktop aufgehört hat, kann Szenen neu anordnen, Figuren entwerfen und mehr. Ist man fertig, darf man nicht vergessen, das Ganze zur Dropbox zu synchronisieren. Das ist die einzige Nickligkeit in diesem ansonsten herrlich runden Programmpaket.
Was ich mir für Version 1.1 wünsche: Tags vergeben und danach suchen können.
Wer viel schreibt: Der sollte sich unbedingt Scrivener laden und etwas damit arbeiten.
Nach einer kleinen Eingewöhnungszeit fragt man sich später, wie man jemals ohne auskommen konnte – und warum man soviel Zeit mit Feature Monstern wie Word verbracht hat.