von Wolfgang Kunckel | Nov. 27, 2018 | Allgemein
Auf eine der Nordseeinseln fährt man ja gern, um der allgegenwärtigen Beschleunigung zu entgehen. Gleichzeitig will man aber auf die Segnungen des modernen Lebens nicht verzichten, der MiFi-Router kommt ins Gepäck. Am Bahnhof Bensersiel nach Langeoog ein erster Hauch von Moderne. Die Fahrkarte wird gekauft, es gibt kein Papierstück, statt dessen wandern zwei Chipkarten, die „Langeoog-Card“ über den Tisch. Darauf ist die Fahrt mit der Fähre gespeichert.
Der Einstieg aufs Schiff erfolgt dann über Automaten, in die man die Chipkarte schiebt und der den Zugang freigibt.
Auf dem Schiff gibt es neben Grog und Heißwürstchen auch eine Ansage des Kapitäns, dass er eine gute Überfahrt wünsche und man bitte daran denken möge, die zu entrichtende Kurtaxe ebenfalls auf der Chipkarte zu speichern.
Im Hotel angekommen stellt sich die Mitnahme des eigenen Routers als überflüssig heraus: Das Hotel hat hervorragendes WLAN.
Bei einem nächtlichen Spaziergang bei kräftigen Wind und Regen fallen uns zwei einsame, beleuchtete Automaten am Rathaus auf: Kurtaxenzahlautomaten. Kurz entschlossen lesen wir die erste unserer beiden Karten ein, der Automat erkennt unser Anreisedatum und fragt nach, wann wir abzureisen gedenken. Datum auswählen, und danach wird es richtig gut: Die Software erkennt, dass die beiden Fahrkarten zusammen gekauft wurden und bietet an, die Kurtaxe doch gleich für beide Karten zu entrichten. Gefragt – getan, die „Amöben-Karte“ (die N26 Maestro-Card) eingeschoben, der geforderte Betrag wird abgebucht, die Bestätigung kommt auch in wildem Nordsee-Wetter sofort auf die Apple Watch. Die zweite Karte ist an diesem Vorgang gänzlich unbeteiligt – sie liegt im Hotelzimmer – und die Ehefrau ist skeptisch: „Unbedingt die Quittung aufbewahren“, in Erwartung von Problemen bei der Ausreise. Die Quittung klärt uns darüber auf, dass uns der „Automat links“ bedient hat.
Das Aufbewahren der Quittung ist aber gänzlich unnötig, das Passieren der Drehkreuze zum Schiff bei der Rückfahrt verläuft reibungslos. Der Mensch neigt dazu, sich Dinge verständlich zu machen, und etwas „auf einer Karte zu speichern“ ist einfacher zu realisieren als der aktuelle Vorgang: Einem zentralen Elektronenhirn eine eindeutige Nummer zu sagen und die Aufforderung damit zu verbinden, er möge sich doch bitte zu dieser Nummer die Zahlung der Kurtaxe vermerken und auf Anfrage bestätigen.
von wok | Dez. 11, 2017 | iOS, TechTip
Die neue AppleWatch hat eine eingebaute Mobilfunkverbindung, was sie zum idealen Sportbegleiter macht: Pulsmesser, Musikabspieler und Notruf in einem. Um dieses Feature nutzen zu können braucht man eine SIM-Karte für die Uhr. Die ist aus Platzgründen als eSIM verwirklicht, und das „Einsetzen“ der SIM in die Watch passiert über das iPhone. Zur Vorbereitung muss die Hotline des Mobilfunkproviders aufgesucht werden, eine der zu meinem Vertrag gehörenden Multi-SIM kann zur eSIM umgewandelt werden. Das geht am Telefon reibungslos und schnell, allerdings erhält man die eSIM nicht elektronisch, die wird zugeschickt – wohl aus Sicherheitsgründen, wie die Dame am Telefon vermutet. Einige Tage später trudelt ein Brief ein, mit Rubbelfeldern für PIN, PIN2 und PUK. Die SIM ist ebenfalls enthalten, als QR-Code. Diesen Code muss man bei der Einrichtung des Mobilfunkfeatures scannen, damit wird dann die SIM in der Uhr aktiviert. Das mit dem Mobilfunk funktioniert wunderbar, wie schon an anderer Stelle nachzulesen ist. Dann kommt der Tag, wo das Mobiltelefon gewechselt werden soll. Dafür gibt es auf der Seite von Apple klare Anweisungen: Uhr vom alten iPhone entkoppeln, dabei die Mobilfunkdienste auf dem Telefon belassen und dann mit dem neuen Telefon koppeln und aus dem Backup wieder herstellen. Das Entkoppeln dauert, und schlägt zum Ende hin fehl. Kopplung mit dem neuen Telefon klappt, Backup wird eingespielt, auch die Telekom-Dienste sind laut Anzeige auf der Uhr aktiv. Allein, es klappt nicht: die Uhr allein verweigert störrisch den Dienst. Im Zuge der Fehlersuche dämmert es mir, dass es ja irgendwas mit der SIM zu tun hat, und ein Blick auf das Kundencenter offenbart das Problem: das eSIM-Profil ist nicht aktiv, mit dem zart grau angezeigten Hinweis, es könne auch auf keinem Gerät mehr aktiviert werden. Ein Anruf bei der Hotline bestätigt diesen Sachverhalt, das eSIM-Profil verliert seine Wirksamkeit, wenn das gekoppelte iPhone entfernt wird. Das sei kein Problem, versichert die freundliche Dame am Telefon, in 10 Minuten hätte ich in meinem Kundencenter ein neues eSIM-Profil. Dieses Mal scheint es keine Sicherheitsbedenken zu geben, das neue Profil muss nicht per Post zugestellt werden und ist tatsächlich nach 10 Minuten verfügbar. Zum Profil kann man einen passenden QR-Code aufrufen, der wird vom Bildschirm gescannt und alles ist in bester Ordnung. Merke: Das eSIM Profil der Uhr verliert seine Gültigkeit bei Wechsel des iPhones.
von wok | Okt. 18, 2015 | Meinungen

In den letzten Mitteilungen meiner Krankenkasse – die man ja in Erwartung einer „Preisanpassung“ eher zögerlich öffnet – stolpere ich über einen Hinweis, dass man jetzt mit einer App die Belege einreichen kann.
Da ich schon länger genervt bin vom Eintüten, Briefmarke suchen und Hoffen, dass nichts verloren geht, lade ich mir die App sofort herunter. Es liegen etwa zehn Belege bereit, Zeit für einen ersten Versuch.
Um die App zu nutzen muss man einige Daten eingeben, unter anderem die Versicherungsnummer, den Namen und die Mailadresse. Man vergibt ein selbst gewähltes Kennwort, anschließend wird man vom Krankenkassenserver als gültiger Kunde anerkannt.
Zur Nutzung der App muss man Mail und Kennwort eingeben, und dann dürfen die Belege gescannt werden.

Entweder man scannt das ganze Blatt oder, bei den neueren Belegen, die beiden aufgedruckten QR-Codes. Das klappt reibungslos, und bei den Belegen mit QR-Code stehen auch gleich die Summen in der Liste. Belege ohne QR-Code werden von der Software automatisch auf die Seite zugeschnitten und ausgerichtet.
Hat man alles gescannt, tippt man „Einreichen“. Die Dokumente werden übertragen, und kurze Zeit später signalisiert eine Push-Nachricht, dass die Belege bei der Kasse angekommen sind
Einen Tag später kommt eine Meldung auf der Apple Watch, dass der Vorgang in der Krankenkasse bearbeitet wird.

Ist doch klasse: Die Originale bleiben hier, falls was schiefgeht, sind die verfügbar. Und wenn jetzt das Geld noch schneller kommt, dann nenne ich das einen gelungen technischen Fortschritt.
von wok | Okt. 11, 2015 | Allgemein
Im jährlichen Ritual der Mobiltelefonupdates kommt es zu unerwarteten Verzögerungen. Schon gefühlt ewig nutze ich ein iPhone, und freue mich jedes Jahr über mehr oder weniger sinnvolle Verbesserungen. Als großer Mensch mit großen Händen bin ich sofort auf das iPhone 6+ (a.k.a. “Das Brett”) umgestiegen. Große Fläche gleich viel zu sehen gleich besser zu schreiben. Und mit etwas Fingerakrobatik kann ich es mittlerweile mit einer Hand bedienen. Also läge nichts näher, als bei Vertragsende das neue, größere 6s+ zu nehmen.
Beim 6s/6s+ wird das Bedienkonzept “Tippen – Wischen” erweitert um die dritte Achse: Kraft. Wenn man auf irgend etwas kräftiger drückt, ploppt ein kleines Menü mit sinnvollen Kurzbefehlen auf. Beim Ausprobieren im Apple Store bin ich sofort sehr begeistert, allein: das geht nicht mit dem großen Telefon. Die Technik ist zwar da, aaaaber: ein kräftiger Druck auf ein Icon auf der linken Seite lässt meine jahrelang antrainierte und verfeinerte Motorik in sich zusammenstürzen: das Telefon fällt mir fast aus der Hand.
Und nun habe ich Angst: Mein Körpergedächtnis braucht Zeit, um sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Schaffe ich diese Zeit, ohne dass mir das Telefon mehrfach runterfällt? Zumal ich mir nicht sicher bin, dass man bestimmte Bereiche überhaupt noch mit einer Hand „3D-Touch“ bedienen kann. Ein wirkliches „Erste-Welt-Dilemma“: großes Telefon, bei dem man auf Innovationen mangels passender Körpergeometrie teilweise verzichtet oder das kleinere Modell mit kompletter Ausnutzung all der schicken neuen Features, aber eben, naja, kleiner? Mein Vertrag läuft noch ein paar Monate, Zeit für noch viele Besuche im Apple Store mit ausführlichen Tests. Ich werde berichten!
(Wolfgang Kunckel), veröffentlicht im techniktagebuch
von wok | Okt. 4, 2015 | Allgemein
Ostern wird traditionell im Hause meines Schwiegervaters in der Provinz verbracht, der als höchsten Tribut an die Moderne ein schnurloses Telefon besitzt und einen ca. 30 Jahre alten Grundig-Fernseher, aber kein Internet.
Da aber alle Kinder, Nichten, und sonstiger Anhang starke Internet-Nutzer sind, schaffe ich einen kleinen Mobilfunk-Router, einen Mifi, an. Der Name leitet sich ab aus der Kombination von Mobilfunk und Wifi.
Das Gerät ist WLAN Station für bis zu fünf WLAN-Teilnehmer und reicht die WLAN- Verbindung per Mobilfunk ins Internet weiter. Die Mobilfunk-Versorgung der Telekom dort ist ausgezeichnet, mit LTE und vollem Ausschlag. Der Router bekommt die dritte Karte meines Mehrfachkarten-Vertrages eingelegt, nach etwas Recherche im Internet und Einstellung der richtigen Parameter klappt auch die schnelle Verbindung. Das Ganze wird zusammen mit einem USB-Ladegerät und mit aufgeklebten Kennwörtern in eine kleine Schatulle getan und reist in die Provinz.
Ostern 2013 habe ich einen Vertrag mit einem UMTS-Limit von 2 GB, und zwischen Karfreitag und und Ostermontag werden davon 1,2 GB verbraucht.
Ostern 2014 wird der Router ersetzt durch einen LTE-Router, bei gleichbleibendem Vertrag und Datenvolumen. Ich als vermeintlicher Haupt- und Großverbraucher von Bandbreite reise erst später an, bekomme aber schon am Ostersamstag abends eine SMS, dass mein schnelles Datenvolumen aufgebraucht ist. Eine telefonische Rückfrage klärt das auf: Die Nichte hat ein iPad bekommen und Youtube für sich entdeckt. Für 4,95 € kann man ein weiteres GB dazubuchen, damit kommen wir über die Feiertage.
Dieses Jahr habe ich einen neuen Vertrag, mit 5 GB schnellem Datenvolumen. Ich bin mal gespannt, ob in diesem und den nächsten Jahren das Datenvolumen des Providers mit den Anforderungen der jungen Generation Schritt halten kann. Ich befürchte nicht …
(Wolfgang Kunckel), veröffentlicht im techniktagebuch